In einer Diskussion mit Christian Spannagel über sein Lehrkonzept, speziell über die Neuronenmetapher in der Vorlesung bat er mich, doch mal mein Lehrkonzept zu beschreiben... dazu musste ich mir dann tatsächlich Gedanken dazu machen. Ich muss zu meiner Schande (?) gestehen, dass ich kein ausgearbeites theoretisches Konzept habe, auf dem ich meine Lehre aufbaue (was natürlich keineswegs bedeutet, dass ich mir keine Gedanken darüber mache).
Also habe ich nachgedacht, und ich kam sehr schnell dazu, dass ich in der Lehre eigentlich immer versuche, die Rolle als "Bandleader" einzunehmen. Wer nun weiß, was ich damit meine, kann direkt aufhören zu lesen. Wer es nicht weiß, liest weiter, muss sich aber nicht darüber grämen, sondern kann weiterlesen.
Für mich bedeutet die Bandleader-Metapher das Folgende: Ein Bandleader bringt eine (kleine oder auch große) Gruppe von Menschen dazu, gemeinsam etwas zu leisten. Dabei gilt:
- Verschiedene Menschen haben verschiedene Stärken, können verschiedene Dinge und ergänzen sich gegenseitig (denn sie spielen ja verschiedene Instrumente; nicht umsonst nennt man ein Blockflötenquartett nicht "Band").
- Es gibt eine gemeinsame Vorstellung davon, welches Endprodukt man haben möchte (Stücke, die man spielen möchte)
- Es gibt, in einem gewissen Rahmen, der mal enger, mal offener ist, Freiheiten zur Interpretation und Improvisation.
- Der Bandleader weiß und akzeptiert, dass andere Bandmitglieder genauso gut oder besser als er sind. Das ist normal und unproblematisch.
- Der Bandleader sorgt für die notwendigen Rahmenbedingungen (einen Probenraum, Jobs/Konzerte)
- Die Bandmitglieder (dazu gehört auch der Bandleader) spielen nicht nur für sich, und die Band spielt auch nicht nur für die Gruppe, sondern man hat das Bedürfnis, für andere zu spielen - andere Bandmitglieder, aber auch die Öffentlichkeit. Man möchte aus dem Probenraum rauskommen.
- Man kann nicht einfach alles, sondern man muss üben.
- Je mehr man übt, desto besser. Man kann auch alleine üben, und es hilft sogar.
- Zuhören ist wichtig, für alle. Es macht auch Spaß, und es hilft, besser zu performen.
- Individuelle Schwächen können durch die Gruppe ausgeglichen werden.
- Ein geiles Solo hört man sich gern an, es ist aber doof, wenn ständig einer alles an sich reißt.
Natürlich schaffe ich es nicht immer gleich; es gibt auch "Bands", die machen keine Freude, spielen eine Musik, die man eigentlich nicht mag, oder die Musiker sind so schwierig, dass ich es nicht schaffe, sie zu etwas gemeinsamen zu bewegen. Manche hören auch auf, weil sie sich in der Band fehl am Platz fühlen, ihr Instrument nicht beherrschen, oder keine Lust mehr auf die Musik haben; auch das ist normal, wenn auch schade.
Das Konzept (ja, ich glaube, es ist ein Konzept) hat Parallelen zu Neuronen/Maschendraht/LdL, das wundert mich nicht. Ich fühle mich damit aber wohler, vielleicht weil es zu meiner Selbsteinschätzung gut passt. Vielleicht muss man aber auch Jazz machen, damit man Spaß an dieser Lehrform hat?
Was meint die Welt dazu? Ich freue mich über Kommentare!
PS: Ein Dirigent ist was total anderes als ein Bandleader.
Heute hatte ich meinen zweiten Neuronenvorlesungstag. Der Bericht kommt bald. (Ums kurz zu machen: Ich finde, es hat ganz gut funktioniert.) Jetzt möchte ich aber auf einige Inhalte aufmerksam machen, auf die ich in den letzten Tagen gestoßen bin und d...
Tracked: May 01, 01:10