"Wer ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein" - dann mal her mit den Kieseln. Hier meine persönliche Stellungnahme:
Es ist schlichtweg nicht zu rechtfertigen in einer wissenschaftlichen Arbeit vorsätzlich zu täuschen. Wer das bei mir macht, trägt die Konsequenzen (ja, es sind schon deswegen Studierende durch das Staatsexamen gefallen), Ausreden werden nicht akzeptiert.
Es handelt sich bei dem Plagiat von Herrn Guttenberg nicht um ein Versehen, einen kleine Fehler, eine menschliche Schwäche oder ähnliches, sondern um Betrug. Wir reden hier nicht über Abschreiben in der Schule, sondern über eine wissenschaftliche Arbeit, die nicht nur Ruhm und Ehre, sondern auch finanzielle und soziale Vorteile bringt.
Es macht niemanden menschlicher, wenn man extra Fehler begeht und sie dann gesteht. Insbesondere, wenn man sie erst dann gesteht, wenn die Beweislast erdrückend ist.
Ich halte es nicht für eine zusätzliche Herausforderung, als "junger Vater" eine Doktorarbeit zu verfassen, wenn man den Rückhalt von mehreren Millionen Euro hat. Meine bisherigen Doktorandinnen und Doktoranden haben unter wesentlich schwierigeren Bedingungen in kürzerer Zeit auch korrekte (und gute!) Dissertationen verfasst – ohne reich zu sein.
Eine politische Kampagne zu unterstellen ist eine billige Ausrede. Ohne den Betrug wäre es gar nicht möglich, diese Fehler aufzudecken. Tötet den Boten?
Ministerpräsident Mappus irrt, wenn er sagt, dass Karl-Theodor zu Guttenberg die Konsequenzen gezogen hätte. Der Doktortitel wäre ohnehin aberkannt worden, die einzige Konsequenz ist also, dass zu Guttenberg den Titel nicht mehr führt, den er nicht mehr hat. Auf andere Bereiche übertragen heißt das also: Man kann ja mal versuchen zu klauen, wenn man erwischt wird, gibt man es halt wieder zurück und alles ist wieder gut. Wenn es so einfach wäre, dann bräuchten wir keine Juristen, erst recht keine mit Dr. iur.
Ich erwarte nicht, dass Karl-Theodor zu Guttenberg zurücktritt. Ich erwarte, dass er seines Amtes entbunden wird. Schließlich werden ja auch Offiziere degradiert, die betrügen. Ein Verteidigungsminister, der vorsätzlich betrügt und falsche Erklärungen abgibt, ist untragbar.
Unsere Kanzlerin macht es sich zu einfach. Natürlich hat sie keinen Wissenschaftler eingestellt. Aber an einen Minister kann man durchaus höhere Ansprüche stellen. Wer beim Betrügen auffliegt hat das Vertrauen in sich verspielt und ist damit für eine demokratische Regierung untragbar.
Natürlich gibt es wichtigeres als Betrug bei einer Dissertation. Aber dieses Argument gibt es immer. "Klar, ich habe meine Hausaufgaben nicht gemacht – aber denken Sie doch mal an die armen Kinder in Afrika, die verhungern, ist das nicht schlimmer?"- "Mein Hund hat vor ihre Haustür gemacht? Ja, das ist schlimm, aber ist nicht das Zwischenlager Asse viel schlimmer?" - da kann man immer weiter neue Beispiele finden.
Wer jetzt danach schreit, dass doch mal Schluss sein muss, dem entgegne ich: Ja, finde ich auch. Es muss Schluss sein, und das geht ganz einfach: Entlasst den Minister. Und versucht an Glaubwürdigkeit zu retten, was zu retten ist.