Wednesday, September 23. 2009Mathe 2030Comments
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Ich (Lehrerin) komme in die Klasse 10 a, sage guten Morgen, schreibe das Wort "Trigonometrie" und ein Datum (ca. 8 Wochen später) an die Tafel, setze mich und schweige.
Erste Fragezeichen auf den Gesichtern der Schüler. Irgendwann Getuschel. Einer fragt: "Und jetzt?" Ich werden antworten: "Das ist der Klassenarbeitstermin. Bis dahin müsst ihr den Stoff drauf haben. Viel Spaß." Entsetzen! Dann bitte ich einen Schüöer eine Diskussionsrunde zu leiten. Die Schüler sollen diskutieren, was das Thema alles umfassen könnte (allgemein: Regeln, Formeln, Definitionen, Übungen) und was ihnen helfen könnte den Sinn zu verstehen (Realitätsbezug).Ich schreibe nebenbei eine Liste in einem Wiki. Dann verteilen die Schüler Aufgaben für die nächste Doppelstunde unter sich: Rechercheaufgaben an den Computern und in der Bibliothek: Was umfasst das Thema "Trigonometrie" (Stoffsammlung)? Was steht im Bildungsplan zum Thema? Wo braucht man "Trigonometrie" im Alltag? Gibt es online Lernsoftware oder Programme, die sich zum Üben eignen? Zusammengefasst wird alles im Wiki. Ich sichte danach die gesammelten Werke, bringe Struktur rein, lasse die Schüler (online) diskutieren, Zweite Doppelstunde: Wir sortieren den Stoff, Teilen ihn Portionen ein, erstellen einen Plan, wie die Schüler in Kleingruppen (3 Schüler) sich eigenständig den Stoff aneignen können. Ich mache den Vorschlag ab und zu kleine Inputs zugeben. Die Schüler legen los, ich betreue sie, wenn sie Fragen haben, helfe, wenn es im Team nicht klappt, vermittle die Schüler aneinander. Jede Gruppe führt eine Wikiseite mit ihren Fortschritten, die ich fortlaufend lese und kommentiere, die auch die Schüler untereinander kommentieren und lesen. Nach 8 Wochen sind die Schüler fit, sie können ihr Wissen anwenden, wissen wofür es im Alltag gebraucht wird und können Aufgaben lösen. Wir schreiben eine Klassenarbeit - Schnitt 1,9. Ich bin sehr zufrieden, meine Schüler sind es auch.
Die Frage ist natürlich berechtigt und es wäre sehr gut, zu wissen, wie der Mathematikunterricht dann aussieht oder aussehen soll. Ich würde nur sagen, man kann sie heute nicht seriös beantworten.
Es gibt ja so einige Beispiele, die zeigen, wie schwer man sich mit Zukunftsprognosen tut. Aus der Informatik fallen mir da spontan Aussagen von Bill Gates („Kein Mensch braucht mehr als 640 kB Hauptspeicher.“) oder Steve Jobs (?) („Es wird keinen Bedarf an privaten Rechnern geben.“) aus den frühen 80ern ein. Wenn ich den Vortrag halten müsste, würde ich mit solchen Zitaten anfangen, um zu zeigen, über welch ach so schwere Fragestellung ich reden muss und dass natürlich auch alles anders kommen kann.
Aber dann lass' doch mal Deine Phantasie schweifen! Was könnte denn so sein? Ich denke, man muss wirklich mal versuchen, sich den Unterricht in 20 Jahren vorzustellen, um herauszufinden, was man jetzt tun muss!
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Tracked: Sep 23, 21:28